Fortbildung StoP


Nach 20 Jahren der wissenschaftlich fundierten Konzeptentwicklung und mehrjähriger Erfahrung in der praktischen Umsetzung in zwei Hamburger Stadtteilen liegt mit StoP ein ausgereiftes Konzept vor, das neue Möglichkeiten zur Prävention und Unterstützung im Bereich häuslicher Gewalt bereitstellt.

Unseren Erkenntnissen nach ist die Einbeziehung von Nachbarschaften und der Aufbau (transkultureller) lokaler, sozialer Netzwerke ein unerlässlicher und weiterführender Schritt in der gewaltpräventiven Arbeit.

Auf dieser Grundlage und angesichts des nach wie vor hohen Ausmaßes der Gewalt an Mädchen und Frauen sowie auch der neuen Herausforderungen im Rahmen der Arbeit mit Geflüchteten möchten wir unsere Expertise nun weitergeben.

Der StoP-Ansatz kombiniert erstmalig theoretisches und praktisches Wissen aus den Bereichen der Arbeit gegen die Gewalt an Frauen und der sozialraumorientierten Arbeit. Er bewegt sich inhaltlich und methodisch im Schnittfeld von geschlechtssensibler, gewaltpräventiver Arbeit/ Erwachsenenbildung/ Öffentlichkeitsarbeit/ Förderung von Zivilcourage und Empowerment/ Gruppen-, Netzwerk und Nachbarschaftsarbeit. Grundlegendes Fachkonzept ist die Gemeinwesenarbeit bzw. das Community Organizing.

Das Konzept und seine Bedeutung

Es ist viel passiert in der Arbeit gegen Gewalt an Mädchen und Frauen, wichtige Projekte, zuletzt das bundesweite Hilfetelefon, wurden auf den Weg gebracht. Zu konstatieren ist jedoch: Die existierenden Maßnahmen reichen nicht aus! Viele der Betroffenen werden vom Hilfesystem nicht erreicht.

Mit dem StoP-Konzept liegt ein innovativer und bereits erprobter Ansatz vor, der eine zentrale Lücke im Gewaltschutzsystem schließt. Erstmalig wird das sozialräumliche Umfeld von Gewaltbetroffenen und Gewaltausübenden systematisch und fachlich fundiert einbezogen. Da die Gewalt nicht im leeren Raum geschieht, sondern innerhalb sozialer Bezüge wie Nachbarschaften und an konkreten, bewohnten Orten können genau hier Präventions- und Unterstützungsmaßnahmen sinnvoll ansetzen. Die lokalen sozialen Beziehungen und die unmittelbare Lebenswelt enthalten ein großes, aber bislang weitgehend vernachlässigtes Potenzial. Wie Studien nachweisen, wirkt eine aufgeklärte und handlungswillige Nachbarschaft, in der Partnergewalt nicht als Privatproblem angesehen wird, de facto lebensrettend und gewaltreduzierend.
Die Fälle tödlicher Beziehungs- und auch schwerer Partnergewalt liegen dort eindeutig niedriger als in anderen Quartieren (Browning 2002)!

Dies ist der Ausgangspunkt von StoP.

Entwickelt wurde ein acht-stufiges Handlungskonzept, das Wege zur Aktivierung zivilgesellschaftlichen Engagements und zum Aufbau lokaler sozialer Netzwerke aufzeigt. Das Konzept beruht auf langjährigen praktischen Erfahrungen, ist wissenschaftlich fundiert und methodisch ausgearbeitet (vgl. Stövesand 2007). Zwei existierende Pilotprojekte in Hamburg Steilshoop und der Horner Geest belegen: Die Unterstützungsbereitschaft von Nachbar/innen und die Veröffentlichungsbereitschaft von Betroffenen kann ermutigt und ausgebildet werden (www.stop-partnergewalt.org). In beiden Stadtteilen haben sich Nachbarschaftsgruppen gebildet, die Informations- und Aufklärungsarbeit leisten, die Isolation und das Schweigen brechen und praktische Unterstützung geben.

Nicht zuletzt angesichts der Entstehung neuer Unterkünfte und Quartiere mit einem hohen Anteil an geflüchteten Menschen bietet ein Konzept, in dem es zentral um den Aufbau von nachbarschaftlichen Beziehungen und niedrigschwellige Zugänge auf Quartiersebene geht, wichtige Impulse.
Entstanden sind mittlerweile auch zahlreiche Materialien für eine stadtteilorientierte Öffentlichkeitsarbeit, die nach Abschluss der Fortbildung zur Verfügung gestellt werden können.

Grundgedanke bei StoP ist die Integration der Gewaltschutzarbeit in bereits vorhandene Angebote und Strukturen (statt der kostenintensiven Schaffung ganz neuer Einrichtungen).

Konkret bedeutet dies, dass StoP-Mitarbeiter/innen angedockt sind an bereits bestehende, gut vernetzte lokale Träger. In Frage kommen Einrichtungen wie z.B. Elternschulen, Bürger-, Mehrgenerationen- oder Jugendhäuser, Stadtteilzentren, Quartiersläden.

StoP übernimmt die Fortbildung von neuen oder bereits vorhandenen Mitarbeiter/innen für bzw. aus diese(n) Einrichtungen und kann den Umsetzungsprozess bei Bedarf beratend begleiten. Diese Fachkräfte wiederum aktivieren, bilden und vernetzten Bewohner/innen, die ihrerseits

a) eine niedrigschwellige, lokal- und milieuspezifisch passende Öffentlichkeitsarbeit entwickeln und

b) bereit sind, sich bei Gewaltvorkommnissen in einem zuvor geklärten und geübten Rahmen einzumischen und Betroffene zu unterstützen. 

 

Die Informationen zur Fortbildung und das Bewerbungsformular finden Sie hier:

 

  Ausschreibung und Bewerbungsformular 

 

 

 

Voraussetzungen